Im Folgenden berichten wir über zwei Jungen, die im August dieses Jahres in unser AWZ nach Deni gekommen sind. Ihre Lebensgeschichte berührt uns sehr. Es macht uns traurig zu wissen, was die beidem bereits in ihrem jungen Jahren an Schwerem und Schmerzvollem durchgemacht haben. Gleichzeitig sind wir sehr dankbar, dass wir als Perspective Senegal die Möglichkeit haben, ihnen in unserem AWZ einen sicheren Ort zu bieten, an dem sie aufgenommen, geschützt, versorgt, gebildet und geliebt werden.
Tabara wurde auf Bitte der örtlichen Behörden zu uns gebracht. Er hatte in Bambilor auf der Straße gebettelt und war bei seiner Aufnahme gesundheitlich deutlich geschwächt. Eine medizinische Untersuchung ergab, dass er Träger der Sichelzellkrankheit ist und deshalb besonders medizinisch betreut werden muss. Doch nicht nur seine gesundheitliche Situation war besorgniserregend. Tabara hatte seine Mutter verloren, sein Vater ist geistig beeinträchtigt. Zuletzt lebte er bei seiner Großmutter und seinen beiden Tanten. In diesem Umfeld musste er unter schwierigen Bedingungen leben und wurde nicht ausreichend versorgt. Hinzu kam, dass seine beiden Tanten der Prostitution nachgingen. Dieses Umfeld war für ihn völlig ungeeignet und machte es dringend notwendig, Tabara möglichst schnell aus dieser Situation herauszuholen und ihm einen sicheren Ort zu geben.
Auch Ablaye hatte bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem er von seiner leiblichen Mutter verlassen und später von einer anderen Frau aufgenommen worden war, lief er immer wieder weg, bettelte und übernachtete in unfertigen Gebäuden. Seine inzwischen ältere und gesundheitlich angeschlagene Adoptivmutter war nicht mehr in der Lage, sich ausreichend um ihn zu kümmern.
Der Schritt von der Straße in unser Ausbildungs- und Wohnzentrum (AWZ) bedeutet für Tabara und Ablaye die Chance auf einen echten Neuanfang: ein sicheres Umfeld, Mitarbeiter, die sich um sie kümmern und ihnen Wertschätzung und Liebe entgegenbringen, sowie eine langfristige Perspektive durch Schulbildung und Ausbildung. Doch mit der Aufnahme endet ihre Vergangenheit nicht. im Gegenteil: Eine intensive und oft herausfordernde Reise beginnt. Wer lange auf der Straße ums Überleben gekämpft hat, muss erst wieder lernen zu vertrauen. Feste Tagesabläufe, Regeln, Verbindlichkeit und Fürsorge, die für uns selbstverständlich sind, können für Kinder mit solchen Erfahrungen zunächst ungewohnt und sogar belastend sein. Sie müssen lernen, dass Regeln ihnen nicht die Freiheit nehmen, sondern Sicherheit, Halt und Orientierung geben. Gleichzeitig brauchen sie Zeit, um zu erfahren: Hier darf ich bleiben. Hier werde ich nicht wieder verlassen. Hier bin ich angenommen.
Gerade die ersten Wochen und Monate sind dabei besonders wichtig und oft auch kritisch. Unser Ziel ist es, den beiden Jungen Schritt für Schritt Halt, Vertrauen, Hoffnung und Lebensfreude zurückzugeben, damit sie nicht nur körperlich, sondern auch emotional auf einem sicheren Fundament ankommen. Das stellt auch unser Team vor Ort täglich vor große Herausforderungen. Es braucht viel Weisheit, Kraft, Geduld, Fingerspitzengefühl und Hingabe, um die Herzen der Jungen zu erreichen, Vertrauen aufzubauen und ihnen zu helfen, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Wir hoffen und beten, dass beide diese Chance ergreifen und Schritt für Schritt einen neuen Weg beginnen können – mit einer echten Zukunftsperspektive und der Möglichkeit, sich ein neues und gutes Leben aufzubauen.